Supra #4 gibt´s in folgenden Läden:

Fanladen, Brigittenstraße 3
Buchhandlung, Schulterblatt 55
Subvert Store, Neuer Pferdemarkt 32
Lockengelöt, Wohlwillstraße 20
KunstKiosk, Paul-Roosen-Straße 5
TT hoch 3, Beim Grünen Jäger 10
St. Pauli-Archiv, Wohlwillstr. 28
Strips & Stories, Seilerstrasse 40
Heinrich Heine Buchhandlung, Grindelallee 26

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Wer spekuliert muss auch verlieren können...

Das nenn ich mal clever. Da wird uns ein Text gegen ein stattliches Salär zugeschanzt und dann muss man feststellen, dass der auch schon an die Basch, die übrigens am Montag zum Spiel gegen den KSC erscheinen wird und hiermit wärmstens empfohlen sein soll, denn soviel Zeit muss sein ... Entschuldigen Sie, wo war ich stehen geblieben? Kauft die Basch!
Noch mal anders. Unser Korrespondent für besonders gefährlichen Kontakt mit Hinterwäldlern ist zurück und hat einen erschütternden Bericht aus der bayerischen Landeshauptstadt München mitgebracht.

Wer spekuliert muss auch verlieren können...

Am Spieltag gegen 1860 machte sich ein voll bepackter 9-Sitzer vom Spielbudenplatz aus auf den Weg nach Bayern, um neben dem Besuch der Allianz-Arena gegen die Abrisspläne der sogenannten Esso-Häuser auf St. Pauli seitens der Bayerischen Hausbau vor Ort zu demonstrieren. Nach den Plänen des Münchner Immobilienunternehmens soll der gesamte Gebäuderiegel mitsamt dem Molotow und den dahinter befindlichen Wohnungen abgerissen werden. Doch der Widerstand wächst.

Bereits eine Woche zuvor wurden am Millerntor tausende Flugblätter zu der aktuellen Stadtentwicklung im Viertel verteilt und in der Halbzeit eine Choreo für den Erhalt der Esso-Häuser in der Südkürve gezeigt. Die bunt gemischte Reisegruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, den aufkommenden Protest direkt zu der Firmenzentrale der Bayerischen Hausbau zu tragen. Angedacht war vor Ort eine „Fette-Abriss-Party“ abzuhalten. Für die eher kreativ ausgerichtete Protestaktion wurde im Vorfeld schon Kontakt zur Schickeria sowie zu Münchner 'Recht-auf-Stadt'-Initiativen aufgenommen.
Kaum in München angekommen, mussten wir gleich feststellen, dass die einschlägigen Horrorgeschichten über die Bayerische Polizei völlig zutreffend sind. Während der Bus der Hinchas, mit denen wir eigentlich vor Ort verabredet waren, bereits kurz nach der Landesgrenze auf der Autobahn gestoppt und über 1 ½ Stunden gründlich gefilzt wurde, standen die Schergen bereits mit einem Großaufgebot an den von uns intern kommunizierten Treffpunkt. Aus dem entspannten Treffen mit einigen der Schickeria und weiteren MünchnerInnen wurde dann leider nichts. Allerdings gelang es unserer kleinen Delegation mitsamt einigen auf dem Weg eingesammelten MünchnerInnen relativ unbemerkt in die Nähe des Gebäudes zu gelangen. Die dort wartende Polizei wurde dann noch gekonnt umkurvt, sodass man dann doch plötzlich ausgerüstet mit Warnwesten, Bauhelmen, Kinder-Baggern und einer riesigen künstlichen Abrissbirne überraschender Weise direkt vor der Firmenzentrale des Immobilienunternehmens stand. Der geplante symbolische Abriss des Firmensitzes konnte jedoch noch in letzter Sekunde durch das beherzte Eingreifen der Bayerischen Staatsmacht verhindert werden. Kurzerhand musste dann noch vor Ort (nach einigem Hin und Her) eine Kundgebung angemeldet werden, bevor man dann geschlossen den Rückzug antreten konnte.

Auf dem Weg in die Münchner Innenstadt dann der nächste (polizeiliche) Irrsinn: Dicht gefolgt von 3 (!) Polizeiwagen, davon 2 Zivilfahrzeuge und in der Hoffnung, dass den Schergen irgendwann die Lust am Katz-und-Maus-Spiel vergeht würde, machten wir uns auf den Weg zu der St. Pauli Kneipe „Café Balan“. Das war natürlich nicht der Fall. Auch durch diverse eher ungewollte und mangelnden Ortskenntnissen geschuldete Abschüttelversuche, wie den Kreisverkehr nicht verlassen zu wollen, gelang es nicht der unliebsamen Begleitschaft zu entfliehen. Angekommen in der Nähe der Kneipe, entschloss man sich gegen den dort geplanten Abstecher, sondern man besuchte ein anderes Café in der direkten Umgebung. Die Polizei wartete geduldig vor der Tür, während wir Drinnen dann doch endlich das bayerische Bier kosten und den Pressebericht fertig schreiben konnten. Die Polizei begleitete uns dann noch fast den gesamten Weg bis zum Stadion, bevor sie uns dann doch irgendwann von Dannen ziehen ließ, jedoch nicht ohne den nächsten Streich aus unserem Lager verhindert zu haben. So wurde uns am Stadioneingang die Mitnahme eines Transparentes verwehrt mit der Ansage der dortigen Ordnungskräfte, dass sie schon vor unserer Ankunft gewarnt wurden. Wenn man sonst nichts zu tun hat... Nach dem Spiel trafen wir dann doch noch die Hinchas und uns gelang es dann doch noch zumindest vor dem Stadion mit dem „verbotenen“ Transparent einige schöne Bilder zu knipsen.

Insgesamt wollte man mit der symbolischen Kunstaktion auch in München auf die Situation in Hamburg aufmerksam machen, welches, belegt durch die zahlreichen Berichte in den diversen Münchner & Hamburger Lokalzeitungen an den Folgetagen, auch anscheinend ganz gut gelungen ist. Die Bayerische Hausbau hatte im Februar den Dialog mit den MieterInnen aufgekündigt und will nun gegen den Willen der MieterInnen und Lokalpolitik den Abriss der Esso-Häuser vorantreiben. Die vor Ort aktive Esso-Ini fordert jedoch hingegen den Erhalt der gegebenen Bausubstanz (verbunden mit der Möglichkeit einer behutsamen Nachverdichtung), unbefristete Mietverträge sowie der Verbleib der Gewerbetreibenden und arbeitet zudem an einem eigenen Konzept, der diese Punkte berücksichtigt, und die Schaffung von zusätzlichen Sozialwohnungen vorsieht. Für die Menschen vor Ort ist jedoch klar: Eine wirkliche Beteiligung von unten sowie die Umsetzung eigener Vorhaben im Stadtteil sind nicht wegzudenken. Dem Versprechen der Investoren, dass alle MieterInnen zu gleichen Konditionen zurückkehren können, steht die Initiative skeptisch gegenüber. Denn einen Beweis dafür gibt es bislang nicht.
Konkrete Erfolge wie den Erhalt der Hafenstraßen-Häuser sowie den Bau von Park Fiction zeigen, wie eine Stadtentwicklung von unten und ein Recht auf Stadt aussehen können.
Unabdingbar ist dabei jedoch, dass viele Menschen aktiv werden und konkret eigene Pläne und Vorstellungen einer anderen Stadtentwicklung entwickeln. Für April/Mai ist etwa ein Aktionstag auf Sankt Pauli (u.a. für den Erhalt der Esso-Häuser) in Planung, an dessen Vorbereitung sich auch hoffentlich viele Fans der Boys in Brown beteiligen werden. Die Jolly-Rouge-Proteste mit der anschließenden „Bring back Sankt Pauli“-Demo haben gezeigt, dass sich Entwicklungen im Verein und Viertel sehr wohl verbinden lassen. Eines sollte uns dabei immer bewusst sein: Uns allen gehört die Stadt. Es ist an der Zeit, diese Parole gemeinsam – ob im Stadion oder im Viertel - endlich umzusetzen.
Maarty Python

Links:
http://www.initiative-esso-haeuser.de/
http://www.sos-stpauli.de/
http://mietenwahnsinn.rechtaufstadt.net/
http://www.rechtaufstadt.net/

Kommentare

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