Supra #4 gibt´s in folgenden Läden:

Fanladen, Brigittenstraße 3
Buchhandlung, Schulterblatt 55
Subvert Store, Neuer Pferdemarkt 32
Lockengelöt, Wohlwillstraße 20
KunstKiosk, Paul-Roosen-Straße 5
TT hoch 3, Beim Grünen Jäger 10
St. Pauli-Archiv, Wohlwillstr. 28
Strips & Stories, Seilerstrasse 40
Heinrich Heine Buchhandlung, Grindelallee 26

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Route und Demo-Aufruf des Zeckensalons

Nach dem Heim­spiel 18 Uhr: Demo vom Süd­kur­ven­vor­platz zum Bern­hardt-​Nocht-​Quar­tier

Hier der offzielle Fahrplan/Streckenverlauf der Kundgebung/Demo:

Anfangskundgebung: 18 Uhr Südkurvenvorplatz/ Budapester Straße
Budapester Straße - Neuer Pferdemarkt - Wohlwillstraße -
Clemens-Schultz-Straße - Hein-Hoyer-Straße - Reeperbahn
(entgegengesetzt der Fahrtrichtung) - ZwiKu Höhe "Tanzende
Türme" - Zirkusweg - Bernhard-Nocht-Straße
Schlusskundgebung: Vor dem Erotic Art Museum (Bernhard-Nocht-Straße)

jetzt aber: Demo-Aufruf des Zeckensalons

--- BRING BACK SANKT PAULI – RE­CLAIM YOUR VIER­TEL ----

Sie ma­chen alles zu Plas­tik, das ist völ­lig egal
Sie neh­men den Zorn, die Wut, die Re­bel­li­on und ab ins Regal
damit die Masse mutig denkt, sie wäre gegen den Trend
wäh­rend in Wirk­lich­keit alles grau und artig mit ihm rennt
[… But Alive]

Ganz nor­mal Ka­pi­ta­lis­mus: Beim FC St. Pauli wird aus­ge­quetscht, ver­ramscht, auf­po­liert und immer wie­der aus­ge­lo­tet, wie weit der Kom­merz noch ge­trie­ben wer­den kann. An Bei­spie­len hier­für man­gelt es nicht: Mit Logen und Busi­ness-​Seats bie­dert sich der Ver­ein einer zah­lungs­kräf­ti­ge­ren Kli­en­tel an, ob­wohl der Be­darf an güns­ti­gen Steh­plät­ze grö­ßer ist als je zuvor. Das Fuss­ball­spiel wird zum Event, mar­ke­ting-​kom­pa­ti­bel auf­be­rei­tet, und frag­wür­di­ge Spon­so­ren mit eben­so frag­wür­di­gen Wer­be­ak­tio­nen de­gra­die­ren den Fan zum ent­wür­dig­ten Kon­su­men­ten. An­hän­ger an­de­rer Ver­ei­ne gu­cken tat­säch­lich oft noch nei­disch zu uns hin­über, wie pri­vi­le­giert die Fans des FC Sankt Pauli zu sein schei­nen; hier schei­nen ei­ni­ge Dinge an­geb­lich noch an­ders zu lau­fen. Mitt­ler­wei­le muss mensch gar nicht mehr so genau hin­se­hen, um diese An­nehm­lich­kei­ten als Farce zu ent­lar­ven. Viel­mehr schlägt einem diese Farce Spiel­tag für Spiel­tag mit zu­neh­men­der Härte ins Ge­sicht.

Das viel­zi­tier­te „non es­ta­blis­hed“ ist nicht plötz­lich vom Him­mel ge­fal­len. Viel­mehr ist es das Re­sul­tat einer kri­ti­schen und kämp­fe­ri­schen Fan­sze­ne, die nicht ihr Hirn am Sta­di­on­ein­gang ab­gibt und beim Ver­las­sen des Sta­di­ons im Vollsuff ver­gisst, die­ses auch wie­der ab­zu­ho­len. Un­dan­kens­wer­ter Weise ist, wie könn­te es in die­sen ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen auch an­ders sein, die­ses Image der Ver­mark­tungs­ma­schi­ne­rie zum Opfer ge­fal­len und aus­ge­lutscht wor­den bis zum geht nicht mehr. Übrig bleibt eine Hülle, für die mensch sich schämt, wenn sich Leute damit schmü­cken, die so gar nichts mit den damit zu­sam­men­hän­gen­den Idea­len zu tun haben oder eben diese Hülle wie­der ein­mal als Geld­druck­ma­schi­ne her­hal­ten muss.

Das Ganze pas­siert auch nicht erst seit ges­tern. Aber diese Ent­wick­lung nahm in letz­ter Zeit eine der­ar­ti­ge Dy­na­mik an, dass wir es nicht mehr aus­hal­ten und laut schrei(b)en: „Ya basta!“, „En­ough is en­ough!“, „Es langt!“. Mitt­ler­wei­le ist nichts mehr zu däm­lich, pein­lich, se­xis­tisch, um es nicht zu Geld zu ma­chen. Eben jener Ent­wick­lung soll­te ei­gent­lich mit den auf dem Fan-​Kon­gress ent­wor­fe­nen Leit­li­ni­en Ein­halt ge­bo­ten wer­den. War wohl nix. Ein­mal mehr wur­den wir, die Fans, ver­arscht und für blöd ver­kauft in der Hoff­nung, der Auf­schrei würde wohl nicht allzu laut aus­fal­len. Das hat beim Mil­l­ern­ta­ler schon nicht funk­tio­niert und auch hier und jetzt wol­len wir diese Hoff­nung plat­zen las­sen und ein un­über­seh­ba­res Zei­chen set­zen. Die So­zi­al­ro­man­ti­ker-​Ini und Jolly Rouge haben ei­ni­ge Me­di­en­prä­senz er­fah­ren, die Ver­ein­s­of­fi­zi­el­len ste­hen unter Druck und wol­len in die­ser An­ge­le­gen­heit auf Dia­log, sprich Be­sänf­ti­gung, set­zen. Wir wol­len uns aber nicht be­sänf­ti­gen las­sen und bevor ein Dia­log auf Au­gen­hö­he statt­fin­det kann, müs­sen erst ein­mal die Ver­hält­nis­se ge­ra­de ge­rückt wer­den. Denn wir, die Fans, wir sind der Ver­ein! Alles, was im Namen des FC St. Pauli ge­schieht, ge­schieht auch in un­se­rem Namen. Und wir sind viele, die sagen: „Nicht mit uns“!

Der Fuss­ball und damit auch spe­zi­ell der FC Sankt Pauli kann keine Wohl­fühl-​Oa­se au­ßer­halb der eh schon be­schis­se­nen Zu­stän­de „da drau­ßen“ sein. Das bil­den wir uns auch nicht ein. All­ge­mein sind die ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen beim FC und im Vier­tel nicht von einer ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­ge­sell­schaf­tung zu tren­nen, die ten­den­zi­ell Alles zur Ware und zum Ob­jekt der Pro­fit­ma­xi­mie­rung de­gra­diert. Um die Ur­sa­chen für die ak­tu­el­len Pro­ble­me zu be­sei­ti­gen er­scheint eine grund­sätz­li­che Kri­tik an der ka­pi­ta­lis­ti­schen Nor­ma­li­tät sinn­voll. Des­halb su­chen wir den Schul­ter­schluss zu denen, die eben­falls mas­siv unter die­sen Zu­stän­den zu lei­den haben. Ins­be­son­de­re die Men­schen, die die­sen Stadt­teil aus­ma­chen und den Ver­ein in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten so stark ge­prägt haben, blei­ben auf der Stre­cke: Viele von ihnen muss­ten schon um­zie­hen oder kön­nen sich zu­neh­mend die Mie­ten in „ihrem“ Stadt­teil nicht mehr leis­ten.

Aus die­sen Grün­den rufen wir am Sams­tag nach dem Spiel des FC Sankt Pauli gegen den SC Frei­burg zu einer Demo auf. Diese star­tet um 18h mit einer Kund­ge­bung auf dem Süd­kur­ven­vor­platz, um un­se­rer Wut dort Aus­druck zu ver­lei­hen, wo sie der Adres­sat, das Prä­si­di­um, nicht über­hö­ren kann. Da­nach zie­hen wir wei­ter zum Bern­hard-​Nocht-​Quar­tier, ein Ort, der für die so­zia­len Kämp­fe (nicht nur gegen Gen­tri­fi­zie­rung im Stadt­teil Sankt Pauli) steht.

Ze­cken­sa­lon im Ja­nu­ar 2011

http://zeckensalon.blogsport.de/